Krankenfahrt: Wann zahlt die Krankenkasse?

Taxi zum Arzt, Fahrt ins Krankenhaus, Dialyse: Wann die gesetzliche Krankenkasse die Fahrt übernimmt, was Sie vorher erledigen müssen und wie viel Sie selbst zahlen.

Redaktion Pick N Drop · Aktualisiert: Oktober 2026 · Quellen

Kurz gesagt: Die Kasse zahlt Krankenfahrten zu stationären Behandlungen und ambulanten Operationen mit ärztlicher Verordnung (Muster 4). Zu ambulanten Terminen nur bei Merkzeichen aG/Bl/H, Pflegegrad 4–5 oder Pflegegrad 3 mit eingeschränkter Mobilität – sonst nur ausnahmsweise mit vorheriger Genehmigung. Zuzahlung: 10 %, mindestens 5 €, höchstens 10 € pro Fahrt.

Krankenfahrt, Krankentransport, Rettungsfahrt – was ist was?

ArtFahrzeugFür wen
KrankenfahrtTaxi, Mietwagen, auch eigenes Auto oder Bus und BahnPatienten, die sitzend und ohne medizinische Betreuung fahren können
KrankentransportKrankentransportwagen (KTW)Patienten, die während der Fahrt fachlich betreut oder liegend befördert werden müssen – nicht im Notfall. Bestellung über die 19222 (mit Ortsvorwahl)
RettungsfahrtRettungswagen, NotarztNotfälle – Notruf 112

In diesem Ratgeber geht es vor allem um die Krankenfahrt – also um die Frage, wann die Krankenkasse das Taxi oder den Mietwagen bezahlt.

Wann zahlt die Krankenkasse die Krankenfahrt?

Grundregel nach § 60 SGB V: Die Kasse übernimmt Fahrkosten nur, wenn die Fahrt im Zusammenhang mit einer Kassenleistung steht und zwingend medizinisch notwendig ist. Außerdem braucht es fast immer eine ärztliche Verordnung („Transportschein“, Muster 4).

Ohne vorherige Genehmigung (Verordnung genügt)

  • Fahrten zu einer stationären Behandlung im Krankenhaus – also Aufnahme und Entlassung
  • Fahrten zu einer vor- oder nachstationären Behandlung, wenn dadurch ein Krankenhausaufenthalt vermieden oder verkürzt wird
  • Fahrten zu einer ambulanten Operation samt Vor- und Nachbehandlung, wenn dadurch eine Krankenhausbehandlung ersetzt wird

Ambulante Behandlung: nur für bestimmte Patientengruppen

Für Fahrten zum Arzt, zur Ambulanz oder zur Therapie gilt die Genehmigung automatisch als erteilt, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), Bl (blind) oder H (hilflos)
  • Pflegegrad 4 oder 5
  • Pflegegrad 3 mit dauerhaft eingeschränkter Mobilität

Ausnahmefälle mit vorheriger Genehmigung

Alle anderen Fahrten zu ambulanten Behandlungen zahlt die Kasse nur ausnahmsweise und nur, wenn sie diese vorher genehmigt hat. Typische Fälle sind hochfrequente Serienbehandlungen über längere Zeit, etwa Dialyse oder onkologische Chemo- oder Strahlentherapie, wenn der Gesundheitszustand die Fahrt unumgänglich macht.

Entscheidungsschema: Wann die Krankenkasse eine Krankenfahrt mit Taxi oder Mietwagen bezahlt
So entscheidet sich, ob die Kasse zahlt. Eigene Grafik nach § 60 SGB V und Krankentransport-Richtlinie.

Schnell-Check und Zuzahlungsrechner

Schnell-Check: Zahlt die Kasse meine Fahrt?

Was trifft zu? (mehrere möglich)
Ergebnis erscheint hier.

Vereinfachte Einordnung nach § 60 SGB V und Krankentransport-Richtlinie, keine Rechtsberatung. Verbindlich entscheidet Ihre Krankenkasse.

So läuft es ab – Schritt für Schritt

  1. Verordnung holen: Die Praxis (auch Zahnarzt, Psychotherapeut oder Krankenhausarzt) stellt die „Verordnung einer Krankenbeförderung“ (Muster 4) aus – vor der Fahrt. Darin stehen Behandlungsgrund, Beförderungsmittel und ob eine Genehmigung nötig ist. Wenn die Praxis Sie kennt, geht das auch nach einer Videosprechstunde.
  2. Genehmigung, falls nötig: Bei genehmigungspflichtigen Fahrten reichen Sie die Verordnung vor der ersten Fahrt bei der Kasse ein – online, per Post oder in der Geschäftsstelle.
  3. Fahrdienst bestellen: Fragen Sie beim Taxi- oder Mietwagenunternehmen, ob es direkt mit Ihrer Kasse abrechnet. Dann geben Sie nur die Verordnung ab und zahlen die Zuzahlung.
  4. Zuzahlung leisten: 10 % der Fahrkosten, mindestens 5 € und höchstens 10 € pro Fahrt – nie mehr als die Fahrt kostet. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche.
  5. Belege aufheben: Quittungen und gegebenenfalls eine Anwesenheitsbescheinigung der Praxis, falls Sie Kosten selbst auslegen und erstattet bekommen möchten.

Nicht vergessen: Hin- und Rückfahrt sind zwei Fahrten – mit zwei Zuzahlungen. Und ohne Verordnung vor der Fahrt bleiben Sie in der Regel auf den Kosten sitzen.

Zuzahlung und Befreiung

Fahrpreis10 %Ihre Zuzahlung
4 €0,40 €4 € (nie mehr als die Fahrt)
30 €3 €5 € (Mindestbetrag)
75 €7,50 €7,50 €
160 €16 €10 € (Höchstbetrag)

Alle gesetzlichen Zuzahlungen eines Jahres (Fahrten, Medikamente, Krankenhaus usw.) zusammen sind auf eine Belastungsgrenze begrenzt: 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen des Haushalts, bei schwerwiegend chronisch Kranken 1 %. Wer die Grenze erreicht, kann sich bei der Kasse für den Rest des Jahres befreien lassen. Quittungen deshalb sammeln.

Eigenes Auto, Bus und Bahn: Was wird erstattet?

Ist eine Fahrt erstattungsfähig, müssen Sie nicht zwingend ein Taxi nehmen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln erstattet die Kasse den Fahrpreis (Ermäßigungen müssen genutzt werden). Bei Fahrten mit dem privaten Auto gibt es eine Kilometerpauschale von 0,20 € je Kilometer, höchstens 130 € (nach Bundesreisekostengesetz) – und nie mehr, als die Fahrt mit einem anderen geeigneten Verkehrsmittel gekostet hätte. Auch hier wird die Zuzahlung abgezogen.

Ein Taxi oder Mietwagen wird nur übernommen, wenn Bus und Bahn aus medizinischen Gründen nicht zumutbar sind.

Krankenfahrt in Mainz, Rheinhessen und Rhein-Main

Die Regeln oben gelten bundesweit – auch in Mainz, Nieder-Olm, Wiesbaden oder Rüsselsheim. Unterschiede gibt es nur bei den Verträgen der Fahrdienste mit den Kassen. Praktische Hinweise für die Region:

  • Krankentransport (KTW) bestellen Sie über die Rufnummer 19222 mit der Ortsvorwahl der Rettungsleitstelle (für Mainz also 06131 19222). Im Notfall immer 112.
  • Taxi oder Mietwagen mit Kassenabrechnung: Fragen Sie bei der Bestellung, ob das Unternehmen mit Ihrer Kasse abrechnet. Viele Kassen nennen auf Nachfrage Vertragspartner in Ihrer Nähe.
  • Entlassung aus der Klinik: Die Heimfahrt verordnet das Krankenhaus, nicht der Hausarzt – Details im Ratgeber Entlassung aus dem Krankenhaus.

Häufige Fragen

Wann zahlt die Krankenkasse das Taxi zum Arzt?

Bei ambulanten Behandlungen nur mit Merkzeichen aG, Bl oder H, mit Pflegegrad 4 oder 5, mit Pflegegrad 3 und dauerhaft eingeschränkter Mobilität – oder in Ausnahmefällen wie Dialyse oder Chemotherapie nach vorheriger Genehmigung. Immer nötig ist eine ärztliche Verordnung (Muster 4).

Wie hoch ist die Zuzahlung bei einer Krankenfahrt?

10 % der Fahrkosten, mindestens 5 € und höchstens 10 € pro Fahrt, aber nie mehr als die Fahrt selbst kostet. Hin- und Rückfahrt zählen als zwei Fahrten.

Brauche ich für die Fahrt ins Krankenhaus eine Genehmigung?

Nein. Fahrten zu stationären sowie vor- und nachstationären Behandlungen sind ohne vorherige Genehmigung möglich, wenn sie medizinisch notwendig und ärztlich verordnet sind.

Reicht ein Pflegegrad allein für die Kostenübernahme?

Bei Pflegegrad 4 oder 5 ja. Bei Pflegegrad 3 muss zusätzlich die Mobilität dauerhaft eingeschränkt sein. Pflegegrad 1 und 2 begründen allein keinen Anspruch.

Was ist Muster 4?

Das Formular „Verordnung einer Krankenbeförderung“, umgangssprachlich Transportschein. Ärztinnen und Ärzte stellen es vor der Fahrt aus; ohne dieses Formular zahlt die Kasse in der Regel nicht.

Quellen

Wir prüfen Zahlen an den offiziellen Stellen. Stand: Oktober 2026. Bitte kurz vor Ihrer Fahrt dort nachsehen – Preise und Regeln ändern sich.